"Lebensturm Kläre Husmann", im Foyer von PFLEGEN UND WOHNEN An der Finkenau "Lebensturm Kläre Husmann" "Lebensturm Kläre Husmann", Konservierte Kernaussage als beleuchteter Kopf "Lebensturm Kläre Husmann", 40 Schubladen mit ihrer Lebensgeschichte "Lebensturm Kläre Husmann", Lichtleiste mit Jahreszahlen und Titeln "Lebensturm Kläre Husmann", Zugang von zwei Seiten; Besucher bei PFLEGEN UND WOHNEN in Horn
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Dialogprojekt "Erinnerungen, Gegenwart"

Lebensturm Porträt Husmann
zu: Kunst in Pflege, Kollektion 2

Licht-Objekt, Holz, div.Materialien, H: 220cm
von Alfred Stephan Mattes, 2004


Nach den ersten Treffen mit Frau Husmann wurde mir schnell klar, dass sie sehr viele spannende, lebendige Geschichten zu erzählen hat, und selbst schon seit längerem Lust verspürte, die eine oder andere Episode aufzuschreiben. Es sollte ein Werk werden, in dem das ganze Leben von Frau Husmann einen Platz findet.

Viele der Geschichten schrieb sie selbst, einige wurden nach Interviews mit ihr von mir aufgezeichnet. Dann begann der Prozess des Sortierens und Planens. Da die Texte nicht, wie in einem Buch, einfach nur aneinander- gereiht werden sollten, entstand die Idee eines Objektes, das zum Lesen und Schauen verführt.

Es entstand ein Turm, der von der Form her einen Körper andeutet. In ihm werden die „Erinnerungen“ anhand von Geschichten, Dokumenten und Fotos aufbewahrt. Die beleuchteten Seitenteile fordern zum Hin- schauen auf, und enthalten einen Index zu dem Inhalt. Eine organisch geformte Tischplatte gliedert das Objekt in zwei Bereiche. Im oberen Bereich befindet sich ein aus 40 Schubladen bestehendes Teil, welches an der Spitze in einem beleuchteten Glas-Holz-Objekt endet. Dieser "Kopf" sagt etwas über die Persönlichkeit von Frau Husmann aus, beschreibt also ihre Gegenwart. Auf einer darin enthaltenen Folie wird in kurzer Aussage Frau Husmanns Einstellung zum Leben skizziert, die Ecken und Kanten des Holzauf- satzes stehen für ihren Charakter.

Im unteren Bereich des Lebensturmes finden sich nur zwei Schubladen, von denen eine allerdings verschlossen bleibt – der „Intimbereich“ der dargestellten Person. Außerdem öffnet sich dort eine Art „Schrein“ mit Medaillen von Ruderwettbewerben und ein kleines Ruderboot. Diese Symbole einer gelebten Zeit sind für Frau Husmann sehr bedeutsam.

Der Sockel des Objektes besteht aus Natursteinen, die die gefestigte Persönlichkeit von Frau Husmann darstellen.

Die künstlerische Arbeit basiert auf einer hohen Wertschätzung des gelebten Lebens. Der große Respekt vor dem Alter zwang mich als Künstler, das gesamte Leben der Dialog-Partnerin in ihrer subjektiven Wichtigkeit zu betrachten.