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"Zeitlinien"

Dialogangebot und -projekt
zu: Kunst in Pflege, Kollektion 1 und 2

Acryl und Papier auf Leinwand, je 60 x 80 cm
von Birgit Nordmann, 2003 und 2004


Dialogangebot: Zeitlinien I und II

Was tun mit einer Dokumentenschwemme aus Haushaltsauflösungen? Die Papiere stammen von nahe stehenden Menschen, von denen auch Fotos und andere Lebenszeugnisse existieren, aber auch von solchen Menschen, die ich nicht mehr gekannt habe. Die gute emotionale Beziehung zu meinen Großeltern und auch weil mein Großvater Hugo so liebevoll und gründlich recherchiert hatte, veranlasste mich, die Unterlagen aufzubewahren.

Die Idee entstand, die Dokumente künstlerisch zu verarbeiten. Was mich elektrisierte, außer dem Wunsch nach einem pietätvollen Erhalt, ist die Frage: Was bleibt von den Menschen, selbst denen, die man geliebt hat? Was verbirgt sich hinter den feststehenden Daten? Wir werden es nie erfahren.

Viele Papiere sind Abschriften aus den 30er Jahren für den arischen Nachweis. Einige hatten den Vermerk: für Arier gebührenfrei. Auch Menschen, die nicht zur Familie gehören, verschwinden von der Erde, oft auch gewaltsam, oder erleben wie meine Großeltern mehrere Kriege.

Es war sehr spannend, aus dem Berg von Dokumenten ein bildnerisches Ganzes bzw. zwei zusammenhängende Arbeiten herzustellen. Die verarbeiteten Papiere sind bis auf eine Ausnahme, Großvater Hugo, von Vorfahren, die ich nicht kannte. Die Komposition wird zusammengehalten durch die Farben gelb, schwarz, graphit, rot, durch einen gemeinsamen Bogen und eine Verbindung zur Erde, architektonische Elemente, scriptorale Elemente, die sich unsichtbar in den Schichtungen fortsetzen.


Dialog: Zeitlinien III und IV

Für das Dialogprojekt zur Kollektion zwei erhielt ich Fotos und Dokumente einer mir zunächst unbekannten und noch sehr lebendigen Bewohnerin von PFLEGEN UND WOHNEN. Daraus entstanden die Bilder „Zeitlinien III und IV“. Die Begegnung mit Frau Kläre Husmann war ein tragender Aspekt meiner Arbeit.

Ich erhielt einen Stapel Fotos mit zeitlicher Zuordnung, später noch eine Fülle von Lebensdaten. Natürlich wollte ich Frau Husmann auch gerecht werden. Eine Zeitlang durchdrangen die Bilder mein Leben. Ich musste sie in mich hineinnehmen. Nach den gründlichen Recherchen begann der Gestaltungsprozess.

Ich habe mich mit meiner Arbeit auf die Kindheit im Krieg konzentriert. Ein ganz "normales" Schicksal. Besonders aufgefallen ist mir in den Aufzeichnungen ein "Gedicht", das die Kinder für Weihnachten lernen mussten, und das geschickt verklärt das ausspricht, was notwendig war: "Hoffnung sich in Euer Herz wagt...". Die Hoffnung, dass der Vater, Bruder, Mann und man selbst überlebt.